Vortrag: „Die Rolle der Gefühle für die körperliche und seelische Gesundheit“

13.04.2011, 19:00

„In den philosophischen Entwürfen der Neuzeit wird die Vernunft oft als Wesensmerkmal des Menschen konzipiert. Die Affekte dagegen sollen durch die Vernunft in Grenzen gehalten und kontrolliert werden, da sie potentiell das Handeln nach den Einsichten der Vernunft stören.

Die neuere Emotionsforschung betrachtet die Gefühle ganz anders, nämlich als wichtiges Signalsystem, das für das soziale Überleben eine zentrale Bedeutung hat. Der Ausdruck von Emotionen spielt z. B. in der frühen Interaktion zwischen Kleinkind und den primären Bindungspersonen eine wichtige Rolle. Hier werden die lebenslang bevorzug-ten Stile des emotionalen Ausdrucks und der Emotionsregulation eingeübt. Für die seeli-sche und körperliche Gesundheit spielen Emotionen deswegen eine zentrale Rolle, weil sie die Brücke zwischen dem Erleben und der Biologie darstellen. Emotionen wie Angst oder Schreck bereiten den Körper durch die Aktivierung der entsprechenden physiologischen Systeme (Sympathikus, Pa-rasympathikus) auf seine Handlungen vor. Krankheit entsteht oft dann, wenn Emotio-nen nicht mehr gelebt werden, aber zu einer im Erleben nicht wahrgenommenen Aktivie-rung der physiologischen Systeme führen.“

 

 tl_files/stollvita/user/bilder/Prof Scheidt.PNG

Prof. Dr. Carl Eduard Scheidt M.D., M.A.

Arzt für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychoanalyse

Professor Scheidt leitet die Sektion für psychoanalytische Psychosomatik an der Universitätsklinik Freiburg und ist zugleich Leiter der Thure von Uexkuell-Klinik in Freiburg.

 

Forschungsschwerpunkte: Psychosomatik des Schmerzes, somato-forme Störungen, klinische Bindungs- und Emotionsforschung

 

Haus der Stiftung

Brückenstraße 15, Waldshut

(ehem. Firmengelände Sedus Stoll)

 

Einritt frei

Zurück