Vortrag: „Jetzt die Krise nutzen“

07.07.2010, 19:30

Muß aus organisatorischen Gründen kurzfristig verschoben werden; neuer Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben


Der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran- insbesondere auch deshalb, weil der Anteil der fossilen Energien and der Energieerzeugung immer weiter zunimmt. Wenn wir eine irreversible Schädigung des Klimas vollständig vermeiden wollten, müssten bis zur Mitte diesen Jahrhunderts die Treibhausgase um mindestens 50 bis zu 80 % vermindert werden- dies kann nur durch einen Umbau des Energiesystems, durch Energieeinsparungen und klimabewusste Landwirtschaft und Energiegewinnung erfolgen. Die Energie muss CO2 frei, sicher und bezahlbar sein. Wenn die Energieversorgung im Jahre 2050 zum größten Teil CO2 frei sein soll, muss heute mit der Umstellung begonnen werden.

Klimaschutz ist eine Chance für die gesamte Volkswirtschaft. Die deutsche Wirtschaft kann vom Boom der Branchen der erneuerbaren Energien profitieren, aber auch durch den Ausbau der Energieeffizienz, innovativer Kraftwerkstechnologien und Antriebstechnologien aber auch in den klassischen Umweltschutzbranchen wie Müllverarbeitung, Recycling und Wasseraufbereitung weiterhin Weltmarktpotentiale ausbauen. Der Weltmarkt wird boomen, und es hängt von der Risikofreudigkeit deutscher Unternehmer ab, wie gut oder schlecht sie von diesen Entwicklungen profitieren, bis zu 1 Million neue Jobs können entstehen. Volkswirtschaftlich gesehen ist es vor allem lohnend, mehr zu tun, um Energie einzusparen, die Energieeffizienz zu verbessern, insbesondere im Gebäudebereich. Die größten und leichtesten Energieeinsparpotenziale liegen neben denen im Mobilitätsbereich vor allem im Immobilienbereich- in der Gebäudehülle. Es könnte knapp ein Fünftel des Energiebedarfs von Immobilien allein dadurch eingespart werden, wenn man die Gebäude mit effizienter Dämm- und Klimatechnik ausstatten würde.

Es ist wichtig, dass wir frühzeitig mit Klimaschutz beginnen, im Kleinen jeder Bürger, jede Stadt und Kommune sowie jedes Unternehmen. Im Großen müssen die Weltnationen ein internationales Klimaabkommen vereinbaren und sich zu verbindlichen Klimaschutzanstrengungen verpflichten. Vor allem die Kommunen sind gefragt: beginnend von Energieeinsparungen von öffentlichen Gebäuden, der Förderung des ÖPNV oder von CO2 freie Innenstädten, z.B. durch Elektromobilität, Förderung von Pilotprogrammen zum Ausbau erneuerbarer Energien, Förderung von Kraft-Wärme Kopplungsanlagen bis hin zur Verbesserung der Informationen, Bildung, Ausbildung von Entscheidungsträgern und Beratern.
Klimaschutz ist der Wirtschaftsmotor für unser Land und sichert unseren Wohlstand. Klimaschutz ist die Lösung aus der Krise. Wir müssen drei Krisen mit einer Klappe schlagen: Wirtschaftskrise, Klimakrise und Energiekrise: durch gezielte Investitionen in die richtigen Bereiche, Energieeffizienz, Infrastruktur, Gebäudedämmung, Erforschung innovativer, CO2 freier, sicherer und bezahlbarer Energien und Mobilität können wir gestärkt aus der Krise hervorgehen!

Zur Person:
Seit 2004 leitet Frau Prof. Kemfert die Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Instit
ut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der privaten Universität, der Hertie School of Governance, in Berlin. Von 2004 bis 2009 Professur für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität; im April 2009 Wechsel an die Hertie School of Governance und dort Professur für Energiewirtschaft und Nachhaltigkeit.
Als Gutachterin und Politikberaterin ist Frau Prof. Kemfert Mitglied in verschiedenen Nachhaltigkeitsbeiräten und Kommissionen. Im Rahmen der High Level Group on Energy Beraterin von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Weitere Funktionen: Gutachterin des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC), Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des WIFO und des Energieinstitutes der Universität Linz, des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen sowie des EUREF Instituts in Berlin. Tätigkeit als Jurorin zahlreicher Preise wie zum Beispiel für den deutschen Nachhaltigkeitspreis oder den deutschen Umweltpreis.
Ausbildung: Studium der Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten von Bielefeld, Oldenburg und Stanford. 1998 Promotion 1998 an der Universität Oldenburg und Forschungsaufebnthalt an der Fondazione Eni Enrico Mattei (FEEM) in Mailand. In dieser Zeit erste Tätigkeit als Politikberaterin.
tl_files/stollvita/user/bilder/Bild Prof Kemfert.JPG

Zurück in Deutschland zunächst Leitung einer Forschernachwuchs-Gruppe am Institut für rationelle Energieanwendung an der Universität Stuttgart. Dann als Juniorprofessorin Leitung einee Forschungsgruppe an der Universität Oldenburg. 2004 Berufung als erste Juniorprofessorin Deutschlands auf eine Professur nach Berlin. Als Gastprofessorin in St. Petersburg, Moskau und Siena.
Mehrere Auszeichnungen: 2006 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Helmholtz- und der Leibniz-Gesellschaft als Spitzenforscherin, zudem Preisträgerin des DAAD.
Frau Prof. Kemfert veröffentlicht ihre Forschungsergebnisse regelmäßig in hochrangigen Fachzeitschriften, Büchern sowie in den Tagesmedien.

Zurück